Deutschland: Karrierehemmer für Frauen - auch in startups?
Habe auf auf ftd.de einen ganz interessanten Artikel mit ein paar weiteren Daten gefunden “Auf dem Weg nach oben”
Ich zietiere:
“27 Prozent der Frauen fühlen sich wegen des Geschlechts in ihrer Karriere benachteiligt. Rund ein Viertel der Frauen sehen durch den enormen Einsatz für Familie und Kinder ihre Aufstiegschancen beeinträchtigt. Daher wünschen sich 45 Prozent der deutschen Frauen einen Job, der genügend Flexibilität für Karriere und Familie bietet.”
“…haben es Frauen in ihrem Berufsleben in keinem anderen Land so schwer wie in Deutschland. Die Fakten: Sie verdienen ein Fünftel weniger als ihre männlichen Kollegen, arbeiten sehr oft in Teilzeit und machen selten Karriere. Hinzu kommt, dass nur rund 26 Prozent der Führungskräfte in Deutschland Frauen sind.
Heisst das übertragen auf die Deutsche startup-Szene, dass aus den gleichen Gründen weniger Frauen gründen? Gerade wenn man sich sein eigenen Unternehmen “bäckt”, wäre es doch schön, wenn man sich die entsprechenden Rahmenbedingungen “gleiche Chancen” einrichten kann und nicht in die alten Rollenmuster der “old economy” verfällt.
Wunschdenken, Illusion?

Am 5. Juli 2007 um 09:24 Uhr
Ein ganz entscheidendes Problem: Solange vielerorts noch über Frauenpolitik statt Gleichstellungspolitik gesprochen wird, gehen die Veränderungen nur langsam voran. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann nicht gelingen, wenn nur versucht wird, die Rolle der “Mutti” stärker im Berufsleben zu berücksichtigen. Das ist ein Feigenblatt und transportiert die gleichen tradierten Weltbilder, die in der Familienpolitik der CSU zu finden sind. Vielmehr müssen zwei Prozesse in Gang kommen, um eine erfolgreiche Kombination von Familie und Beruf zu gewährleisten.
1) Das Familienbild selbst muss sich ändern. Das hat es schon öfters getan. Im Umbruch der Industrialisierung, als der Trend von der Großfamilie zu den kleinen Stadtfamilien ging. Mit der Abschaffung des Patriarchats und dem freien Zugang zur Bildung für Frauen. Mit der feministischen Bewegung und der Kulturrevolution in den 60er Jahren.
Der nächste Schritt ist die Erkenntnis, dass das biologische Geschlecht per se keine Rollen mit sich bringt, die zwingend übernommen werden müssen. Rollenerwartungen sind immer gesellschaftlichen Ursprungs. Mami und Papi - die beiden Rollen dürften eigentlich keine inhaltlichen Unterschiede mehr aufweisen. In den Köpfen sieht es aber noch ganz anders aus. Das muss sich ändern. Wenn eine Mutter ihr Kind nach sechs Monaten abgestillt hat, ist der biologische Faktor völlig außen vor - die einzige halbwegs plausible Rechtfertigung für unterschiedliche Rollenansprüche. Wird das berücksichtigt, ist Prozess Nummer 2 die logische Konsequenz:
2) In der Arbeitwelt mit ihren glass ceiling effects muss den Entscheidern vor allem eines klar werden: Frauen tragen zwar auch in Zukunft die Kinder aus, was tendenziell einen Ausfall von 8 bis 14 Wochen mit sich bringt. Die folgende ein bis dreijährige Elternzeit ist aber mitnichten an ein biologisches Geschlecht gekoppelt. Das heimliche Einstellungskriterium Schwangerschaft sollte also mit der Zeit irrelevant werden, wenn Prozess 1 in Gang gekommen ist. Erste Änderungen haben schon statt gefunden: Der Anteil männlicher Kollegen, die in Elternzeit gehen, ist um drastische 2% auf sagenhafte 7% gestiegen.
Der Kampf um die klugen Köpfe wird den Prozess beeschleunigen. Fachkräftemangel und die Tendenz, dass Frauen bessere Studienabschlüsse machen, fallen zusammen. Neue Anreizsysteme wie die ganztätige Kinderbetreuung auf Firmenkosten werden immer wichtiger werden.
Für Gründerinnen dürfte natürlich vor allem Prozess 1 relevant sein. Doch den Kampf mit männlichen Steinzeit-Entscheidern führen sie auch auf der B2B-Ebene…
Am 5. Juli 2007 um 10:57 Uhr
… und wer hätte gedacht, dass die bayern so fortschrittlich sind: hier gehen sogar schon 15% männer in die elternzeit: http://www.welt.de/politik/article985885/Immer_mehr_junge_Vaeter_nehmen_eine_Babypause_.html
Am 6. Juli 2007 um 11:25 Uhr
Akzeptieren die Männer in Bayern etwa den männlichen Landesfürsten und sein traditionelles Familienbild nicht als Role Model? Oder ist er vielmehr ein Antiheld, dessen Lebensentwurf als Abschreckung für die eigene Familienplanung dient? Fragen über Fragen…
Am 6. Juli 2007 um 11:26 Uhr
Akzeptieren die Männer in Bayern etwa den männlichen Landesfürsten und sein traditionelles Familienbild nicht als Role Model? Oder ist er vielmehr ein Antiheld, dessen Lebensentwurf als Abschreckung für die eigene Familienplanung dient? Oder sind bayrische Väter die besseren Schwaben, die sich eine Papaprämie nicht entgehen lassen wollen?
Fragen über Fragen…